„Digitale Prozesse schaffen Raum für Wachstum“
Herr Seiferlein, der Hausverwaltungsmarkt wächst seit Jahren zuverlässig, aber die Kunden sind unzufrieden. Ist das nicht ein Widerspruch?
Im Gegenteil, es unterstreicht die Bedeutung der Dienstleistung „Hausverwaltung“ innerhalb unserer Gesellschaft und die Potenziale, welche sich perspektivisch für Dienstleister und Kunden ergeben können. Die Nachfrage ist groß nach Hausverwaltungen, die schneller, zuverlässiger, umfassender Lösungen anbieten und damit Vermietern und Mietern das Leben erleichtern. Wer das kann, hat beste Chancen, Kunden langfristig zu überzeugen.
Diese Änderungen sind aber nicht einfach umzusetzen, da den Hausverwaltungen Kapazitäten fehlen.
Das ist richtig. Die Historie zeigt, dass zu schnelles Wachstum innerhalb dieser Branche mehr Schaden als Kundennutzen stiften kann. Wir werden uns die nötige Zeit nehmen, um nachhaltige Strukturen zu erstellen. Standardisierte und auch digitale Prozesse werden Raum für Wachstum schaffen – und damit eröffnen sich mehr Möglichkeiten zur Skalierung, was weitere Neuerungen und Verbesserungen erleichtert. Eine Aufwärtsspirale wird in Gang gesetzt. Viele Anfragen von Mietern sind Standardanfragen wie „der Wasserhahn tropft“. Für diese Themen gibt es längst digitale Lösungen wie Ticketing Systeme, Chat-/Telebots und Datenbanken, die schneller, umfassender und auch noch zuverlässiger sind als die händische Bearbeitung. Die Hausverwaltung wird entlastet, der Mieter erhält früher und besser Hilfe, der Eigentümer hat einen vollständigen Überblick – ein Gewinn für alle Beteiligten. Der Mensch wird immer unverzichtbar bleiben, nicht zuletzt aus regulatorischen Gründen, auch als Partner und Premiumdienstleister. Er erweitert mit Digitalisierung aber seine Möglichkeiten erheblich.
Wie schafft man den offenbar für viele schwierigen ersten Schritt zur Digitalisierung?
Viele Hausverwaltungen sind klein, regional fokussiert und operativ stark ausgelastet. Für eine umfassende Digitalisierung fehlen häufig Kapital, IT-Ressourcen und Management- sowie IT-Kapazität. Diese zahlreichen kleinen, regionalen Hausverwaltungen, von denen viele zugleich vor ungelösten Nachfolgen stehen, könnten mit dem Zusammenschluss mit einer größeren Plattform von deren Digitalisierungs-Know-how profitieren. Für alle sinken dann auch die Kosten.
Voraussetzung dafür ist ein Unternehmen, das sich als Plattform für gesundes Wachstum anbietet. Gut geeignet ist eine Hausverwaltung, die über erfahrenes Personal, ein attraktives Portfolio zufriedener Kunden und professionelle Strukturen für Daten und Prozesse verfügt.
Zum zweiten braucht es einen passenden Partner, der all das einbringt, was es für die Umsetzung einer Buy-and-Build-Strategie braucht. Also Kapital, Verständnis des Geschäftsmodells, Erfahrung mit Zukäufen und ihrer Integration, Aufbau von Unternehmensgruppen.
Da kommt dann VR Equitypartner ins Spiel. Was unterscheidet Sie von anderen Investoren, die ebenfalls Property-Services-Plattformen aufbauen wollen?
Wir haben einen klaren Investitionsfokus: Wir suchen gezielt Unternehmen mit rund 1 Million Euro EBITDA als Nukleus, den wir dann mit mehreren Zukäufen zu einem führenden, professionell organisierten Hausverwaltungs-Gruppenverband ausbauen, der die gesamte DACH-Region abdecken könnte.
Damit das gelingt, braucht es Digitalisierungs-, M&A- und Integrationserfahrung. Die haben wir. Und ein gutes Netzwerk: Die Genossenschaftliche FinanzGruppe bietet hier viele Anknüpfungspunkte mit den Volksbanken als Immobilienfinanzierern, die über ihre Firmenkundenbetreuer zugleich wissen, welche Unternehmer ihre Hausverwaltung verkaufen wollen.
Am Ende kommt es aber entscheidend auf den Menschen an – der muss sich mit dieser Strategie, in dieser Partnerschaft wohlfühlen. Unternehmer berichten häufig, wie sehr sie den Umgang mit uns auf Augenhöhe schätzen. Wir respektieren ihre Erfahrungen und Kenntnisse, sie unsere. Diese gegenseitige Wertschätzung ist eine zentrale Voraussetzung, erfolgreich über Jahre miteinander zu arbeiten.