FACTS: Herr Abt, wie ist aku.automation bislang durch die Corona-Krise gekommen?
ABT: Natürlich hat uns der Shutdown im Frühjahr auch erst einmal kalt erwischt. Alle Inbetriebnahmen wurden verschoben. Inzwischen hat sich das zum Glück normalisiert. Aber bei einer größeren Anlage müssen wir bis Weihnachten warten, bis wir sie einrichten können – das geht beim Kunden nur an Feiertagen wie Ostern. Und eben Weihnachten.
FACTS: Wie sieht es denn bei Neuaufträgen aus? Spüren Sie eine Investitionszurückhaltung?
ABT: Eigentlich nicht. Wir haben Kunden aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Maschinenbau und Automotive, aber auch Lebensmittel und Konsumgüter. Aber selbst Branchen, die die Corona-Krise schwer getroffen hat, müssen ja intensiv nach Möglichkeiten zur Kosteneinsparung suchen. Und genau die bieten wir mit unseren Automatisierungsmöglichkeiten.
FACTS: Ist es nicht ungewöhnlich, als industrieller Bildverarbeiter so branchenbreit aufgestellt zu sein? Eigentlich wäre doch eine Spezialisierung auf wenige Branchen zu erwarten, so anspruchsvoll wie Ihre Leistung ist…
ABT: Die meisten Bildverarbeiter haben sich tatsächlich spezialisiert. Aber wir haben uns bewusst dafür entschieden, uns nicht von einzelnen Technologien und Anbietern abhängig zu machen. So können wir aus der gesamten Angebotspalette dem Kunden genau die Lösung aus Hard- und Software zusammenstellen, die am besten passt. Wir haben dann Teams, die sich auf unterschiedliche Bereiche spezialisiert haben.
FACTS: Wenn Sie weder exklusive Technologie noch exklusive Anbieter haben – birgt das nicht das Risiko, dass Wettbewerber Sie rasch kopieren?
ABT: Da bin ich recht unbesorgt. Sie müssen erst einmal die Expertise haben, aus der Breite des Angebots einzelne Komponenten so zu kombinieren, dass sie das beste Ergebnis bringen. Dafür braucht es Know-how. Vor allem aber haben wir viel Geld in eine eigene Plattform investiert, die die Einzelteile unserer Lösung integriert und die Anwendung vereinfacht. Unser aku.visionManager kann die Bilddaten der unterschiedlichsten Sensortechnologien einlesen, verarbeiten und auswerten. Und er stellt sie übersichtlich und einheitlich dar. Auch wenn sich im Hintergrund etwas ändern sollte, bleibt die Bedienung immer gleich. Unsere Kunden wissen das sehr zu schätzen.
FACTS: Wenn sich der Markt so positiv entwickelt – warum braucht es dann überhaupt einen neuen Gesellschafter?
ABT: Die Minderheitsbeteiligung ist für uns wie ein Wachstumsturbo. Wir können jetzt unseren aku.visionManager schneller weiterentwickeln und künftig auch als Lösung allein anbieten. Da bekommen wir einen ganz neuen Umsatzhebel. Außerdem wollen wir rasch unsere Kundensegmente Lebensmittel und Consumer ausbauen. Und vor allem wollen wir durch Zukäufe wachsen. VR Equitypartner bringt nicht nur frisches Kapital, sondern auch Know-how und Netzwerk im Buy&Build-Bereich mit.
FACTS: Erschwerte die Corona-Krise die Transaktion? Auf dem Markt waren viele Transaktionen erst einmal auf Eis gelegt worden, weil niemand wusste, wie stark sich die Krise auswirken würde…
ABT: Es war erstaunlich reibungslos. Wir haben uns Anfang Mai getroffen. Gleich war da eine große gegenseitige Sympathie und Wertschätzung. Angefangen beim Investmentdirektor Daniel Schmidt, aber bei den Kollegen und den Geschäftsführern Christian Futterlieb und Peter Sachse genauso. Das ist für mich sehr wichtig. Wenn das nicht stimmt, sollte man es sein lassen. Mir geht es da auch nicht um den letzten Euro. Natürlich ist der Preis wichtig, aber die Beteiligten sind noch wichtiger. Und ich habe geschätzt, dass die Gespräche stets auf Augenhöhe stattfanden. Und: Ich habe es 13 Jahre gut ohne einen Finanzinvestor geschafft, die Geschäfte zu führen. Da brauche ich niemanden, der sich ins Tagesgeschäft einmischt. Auch da waren wir uns von Anfang an einig.
FACTS: Was sind jetzt die nächsten Schritte?
ABT: Die Zeichen stehen auf Wachstum. Die Automatisierung wird weiter fortschreiten, und daran wollen wir teilhaben. Wir haben durch die Beteiligung den finanziellen Spielraum, den Partner und das Netzwerk, einen ordentlichen Wachstumssprung zu machen. Trotz – oder gerade – in der Corona-Krise.