Wenn ein Finanzinvestor in ein KMU eintritt, der seinen Fokus auf finanzielle Ziele legt, ist häufig ein Zielkonflikt vorprogrammiert

Harald Völker, Mitglied des Beirats der VR Equitypartner GmbH

Harald Völker
Harald Völker
Beispielhaft könnte ein Zielsystem folgendermaßen aussehen
Beispielhaft könnte ein Zielsystem folgendermaßen aussehen
Zur Ableitung der Renditeziele kann das bekannte Konzept des Return on Investment genutzt werden, das sich um die Risikokomponente Eigenkapitalquote zu einem Return-on-Equity-Baum erweitern lässt
Zur Ableitung der Renditeziele kann das bekannte Konzept des Return on Investment genutzt werden, das sich um die Risikokomponente Eigenkapitalquote zu einem Return-on-Equity-Baum erweitern lässt

Während für den Unternehmer finanzielle Erfolge Abfallprodukt seines technischen Könnens und Schaffens sind, ist der Finanzinvestor daran interessiert, eine möglichst hohe Rendite auf seine Investition zu erzielen; das zugrundeliegende Geschäftsmodell ist dabei das Vehikel zum Erfolg.

Beide Seiten müssen hierbei lernen, die unterschiedlichen Gesichtspunkte zu verstehen. Dabei hilft es, wenn bereits in einer frühen Phase geklärt wird, worin die Erfolgspotentiale eines Unternehmens bestehen und gemeinsam mit dem Unternehmer versucht wird, eine Art strategisches und operatives Kennzahlensystem zu erarbeiten, das nicht nur bzw. nur zum geringen Teil aus finanziellen Größen besteht. Der Unternehmer ist dabei aufgefordert, seine Alleinstellungsmerkmale und Wettbewerbsvorteile zu benennen – eine Aufgabe, die oft nicht einfach ist, da viele Unternehmer und Unternehmen diese intuitiv kennen, aber nie dokumentiert haben. Gemeinsam sollte dann daran gearbeitet werden, die finanziellen Konsequenzen aus dem Erreichen oder Nicht-Erreichen abzuleiten, um für beide Seiten ein Verständnis für die Mechanik des Geschäfts zu erarbeiten. Ausgehen kann man dabei von den übergeordneten Unternehmenszielen, die auf operationale Kenngrößen heruntergebrochen werden.

Üblicherweise wird dauerhafter Erfolg bei Unternehmen, die in einer Marktnische tätig sind, über innovative Produkte und Anwendungen erzielt. Diese sollten zu Wachstum führen, das mindestens dem des Marktes entspricht. Um Wachstum durch Innovation zu ermöglichen, ist ein angemessener Gewinn erforderlich, der sowohl die Finanzierung der Geschäftsentwicklung als auch die Einkommenserwartungen der Gesellschafter sicherstellt. Dies alles geschieht auf Basis einer guten Unternehmenskultur, die gewährleistet, dass die benötigten qualifizierten Mitarbeiter/innen engagiert und loyal zu ihrem Unternehmen stehen.

Für die Unternehmensziele Innovation, Wachstum, Gewinn und Unternehmenskultur können nun operative Unterziele gefunden werden, welche die konkrete Unternehmenssituation und die Planungen abbilden. Beispielhaft könnte ein Zielsystem folgendermaßen aussehen (siehe Grafik).

Zur Ableitung der Renditeziele kann das bekannte Konzept des Return on Investment genutzt werden, das sich um die Risikokomponente Eigenkapitalquote zu einem Return-on-Equity-Baum erweitern lässt (siehe Grafik)

Der notwendige Gewinn kann – wie erwähnt - aus den Finanzierungserfordernissen des Wachstums abgeleitet werden. In Relation zum investierten Kapital ergibt sich die Soll-Rendite, aus der Umsatz-Rendite und Kapitalumschlag abgeleitet werden können. Die Erweiterung mit der Eigenkapitalquote als Risikomesser kann schließlich die Eigenkapitalrendite ermittelt werden, die eine Aussage über die Steigerung des Unternehmenswerts ermöglicht.

Über das Zielsystem und seine Konkretisierung in Jahreszielen kann das Geschäftsmodell und die Geschäftspolitik hinreichend gut abgebildet werden und sollte sowohl für das Unternehmen/den Unternehmer und den Finanzinvestor eine Verständigungsbasis bilden für die zu verfolgende Unternehmensentwicklung. Insbesondere die finanziellen Konsequenzen von operativen und strategischen Entscheidungen lassen sich so besser ableiten und diskutieren.

Für einen Finanzinvestor ist von entscheidender Bedeutung, dass sich der Partner auf Unternehmensseite auch als Partner versteht und sich nicht darauf beschränkt, die neue Beteiligung als eine andere Art von Kredit zu betrachten. Vor allem muss er respektieren, dass das Geschäftsmodell des Finanzpartners vor allem in der Steigerung des Unternehmenswerts besteht, was eben auf einer deutlich besseren Profitabilität beruht. Daher ist es unvermeidlich, dass der finanziellen Beurteilung und Berichterstattung - zum Beispiel auf Basis eines Zielsystems wie oben beschrieben - ein deutlich höherer Stellenwert eingeräumt wird als in der Vergangenheit. Für den Finanzinvestor bedeutet eine bessere Berichterstattung mit qualitativen und quantitativen/finanziellen Berichtsgrößen eine bessere Transparenz über das Unternehmensgeschehen und damit auch ein besseres Verständnis des Geschäfts des Unternehmens. Für das Unternehmen heißt das ein in gleichem Umfang ein tieferes Verständnis der eigenen Marktstellung und eine Professionalisierung der Unternehmensführung.

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