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High-Tech-Manufaktur: Umsetzung von Kraft in Bewegung - Getriebe für Formel 1 oder GT3-Sportwagen

Helwig, einer der beiden Geschäftsführer, sieht HÖR als „High-Tech-Manufaktur“. Mit starken Wurzeln im Motorsport hat sich das Unternehmen zu einem gefragten Spezialisten für Verzahnungstechnik entwickelt, die überall Kraft in Bewegung umsetzen kann: HÖR baut Getriebe für die Formel 1 oder GT3-Sportwagen auf Basis von Audi R8 und Lamborghini Huaracan genauso wie für Hubschrauber,
Drohnen, Tunnelbohrmaschinen oder Industrieanlagen.

Ein Entwicklungsspezialist ist kein Serienproduzent

„Wir wollen aber kein Serienlieferant werden“, stellt Dietmar Wohlfart fest – auch wenn dem zweiten Geschäftsführer größere Volumen nicht fremd sind. HÖR arbeitet an vier Standorten: Weiden und Mitterteich in der Oberpfalz, Neustadt an der Weinstraße, Anthering bei Salzburg. In Mitterteich werden Exzenter- und Nockenwellen für Motorräder ab 500 cm³ Hubraum produziert. Dabei geht es um Serien von 30.000–40.000 Stück und die Produktion ist für die nächsten Jahre ausgelastet. Die anderen Standorte konzentrieren sich auf Entwicklungsprojekte und Prototypen. Die anschließende Fertigung kleiner A- und B-Serien verträgt sich gut mit der Entwicklungskompetenz, mehr Produktionskapazität für große Serien würde das Geschäftsmodell verändern.

„Motorsport-Gene“ können mehr

Wichtiger sind die „HÖR-Gene“, die nicht zuletzt aus dem Motorsport stammen: Leichtbau, Effizienz und Belastbarkeit. Sie passen gut zu einem Thema, das die Konzepte für den Verkehr von morgen verändert – E-Mobilität. In der Diskussion über Elektroautos galt zunächst, sie kämen ohne Getriebe aus, weil ein Elektromotor – anders als ein Verbrennungsmotor – schon aus dem Stillstand Kraft abgibt und z. B. keine Kupplung zum Anfahren braucht. Aber auch Elektromotoren arbeiten in bestimmten Drehzahlbereichen am besten, sonst sinkt der hohe Wirkungsgrad bei der Energie umwandlung. Bei unterschiedlichen Leistungsanforderungen sorgen Getriebe für eine optimale Motornutzung, etwa an Steigungen oder bei verschiedenen Fahrgeschwindigkeiten. E-Mobilität stellt Anforderungen, die es z. B. im Rennsport nicht gibt: Elektroautos sind leise – was man hört, ist das Abrollgeräusch der Reifen. Getriebe bestehen im Wesentlichen aus miteinander verbundenen Zahnrädern – Metall arbeitet auf Metall. Das Arbeitsgeräusch zu verringern, erfordert für jeden Anwendungsfall eine individuelle Anpassung der Zahnradgeometrie. Außerdem müssen Getriebe und Elektromotoren oft auf die Antriebsachse gesetzt werden und dort ist wenig Platz. Die HÖR-Manager erwarten daher eine „Renaissance für Planetengetriebe“, die große Übersetzungen auf kleinem Raum ermöglichen.

Entwicklung von E-Antrieben – noch viel zu tun

In diesem jungen Markt sehen Helwig und Wohlfart viel Entwicklungsbedarf, den HÖR nutzen will. Auch wenn es in der E-Mobilität neue Marktteilnehmer gibt, kennt HÖR die meisten Mitspieler längst: neben den Autoherstellern z. B. die großen Zulieferer wie Bosch, Schäffler oder ZF. Auch der Motorsport verbindet die „alte“ mit der „neuen“ Autowelt: HÖR ist seit der ersten Saison in der Formel E dabei und hat für zwei Teams neue Getriebe entwickelt. Die Industrie hat ihre anfängliche Zurückhaltung inzwischen aufgegeben, von den deutschen Firmen werden Audi, BMW, Mercedes und Porsche ab 2019 in der Formel E starten. Offenbar wird das Elektroauto zu attraktiv, um auf die Rennserie als Entwicklungslabor und Werbeplattform zu verzichten. Know-how aus dem Rennsport findet sich oft in der Serie wieder: Ein Autohersteller wollte das von HÖR für die Formel E entwickelte Getriebe in Weiden für die Serie modifizieren und fertigen lassen, ein anderer hatte ähnliche Pläne mit dem Getriebe aus dem Konzeptauto für einen ESportwagen, der 2019 in Serie gehen soll. Auch hier blieben die HÖR-Manager bei der Leitlinie „Entwicklung: ja, Serienproduktion: nein“. Wohlfart: „In der Großserienfertigung zählen andere Faktoren als auf unserem Kernarbeitsgebiet.“ Es gibt auch so genug zu tun: Für Automobilzulieferer hat HÖR Getriebe für den elektrischen Antriebsstrang entwickelt, die zum Teil schon im Alltag angekommen sind, zum Beispiel bei Logistikunternehmen.

Optimale Projektverteilung im Produktionsverbund

Trotzdem bleibt „Kapazität“ ein Thema. Weil es in der Stammregion Oberpfalz kaum noch möglich war, qualifi zierte Mitarbeiter zu gewinnen, kaufte HÖR im November 2017 Fischer CNC-Technik in Neustadt an der Weinstraße mit rund 50 Mitarbeitern und gut 5 Mio. EUR Umsatz. Motivation: Bei gleicher Ausrichtung des Geschäfts hatte Fischer freie Kapazitäten und der regionale Arbeitsmarkt ist ergiebig –
Personalproblem gelöst. Im März 2018 wurde der Verbund durch Übernahme von Pichler & Strobl in Anthering erweitert. Das Geschäftsmodell ist dem von HÖR sehr ähnlich, zielt aber auf Wachstumsmärkte in der Halbleiter- und Display-Industrie. Vor allem arbeitet Pichler & Strobl auf der gleichen technischen Basis wie HÖR und Fischer. Das vereinfacht die Integration und danach lassen sich Aufträge optimal im Produktionsverbund platzieren. Auch die Kennzahlen reflektieren den Fortschritt: 2018 wird die Gruppe mit rund 400 Mitarbeitern voraussichtlich einen Umsatz von mehr als 50 Mio. EUR erzielen. Im Jahr zuvor beschäftigte HÖR 300 Mitarbeiter und schloss mit einem Umsatz von 30 Mio. EUR ab.

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