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GHM Group: Digitalisierung und intelligente Vernetzung von Produktions- und Logistikprozessen

Die GHM Group ist ein gutes Beispiel dafür, wie Mittelständler die Digitalisierung der Wirtschaft mitgestalten. Der Spezialist für Mess- und Regeltechnik bearbeitet die Geschäftsfelder Industriesensoren und -elektronik, Umweltmesstechnik, mobile Messgeräte sowie Datenerfassung und -übertragung. Daran orientiert sich die Organisation: Für jedes Arbeitsgebiet gibt es ein Kompetenzzentrum, das seine Kunden mit hochspezialisierten Lösungen bedient. Hier zählen Know-how und Erfindergeist, Investitionen spielen eine untergeordnete Rolle. Das Minikonglomerat entstand 2009, mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise. Damals wurden die ersten Unternehmen im Rahmen eines Buy & Build-Konzepts gekauft. Die GHM-Unternehmen wurden zwischen 1963 und 1988 gegründet und waren längst als selbständige Messtechnikanbieter erfolgreich, bevor sie zur Gruppe kamen. Beteiligungsanlass war in allen Fällen ein klassisches Mittelstandsproblem: Die Firmengründer fanden in ihrem unmittelbaren Umfeld keine Nachfolger. Mit Management-Buy-outs boten die Finanzinvestoren eine Lösung für den Generations- und Inhaberwechsel. Sie brachten außerdem das Konzept mit, kleineren Marktteilnehmern durch Zusammenschluss eine bessere Position und Strukturvorteile zu verschaffen. VR Equitypartner und Co-Investor Bayern LB Capital Partner stiegen 2012 ein und setzten die nächsten Meilensteine: Mit ihrer Unterstützung erwarb die Gruppe zwei italienische Unternehmen, die heute wesentlich zum Umsatz von rund 45 Mio. EUR beitragen.

Automationstechnik als Schlüsselindustrie

Was macht industrielle Automationstechnik interessant für eine Strategie, die auf Wachstum durch Akquisitionen im Mittelstand zielt? Schon ihre Dimension: Die großen Trends – Digitalisierung, Industrie 4.0, Automation – beeinflussen die gesamte Wirtschaft. In Deutschland setzen sich vor allem Maschinenbau und Elektroindustrie damit auseinander, denn sie sind Schlüsselindustrien für die Ausstattung von Fabriken. 2016 entfielen nach Angaben der Industrieverbände ZVEI und VDMA rund 60 Mrd. EUR, etwa 15 % der Branchenumsätze, auf Automation und Robotik bzw. elektrische Prozessautomation. Hinter dem Milliardenvolumen stehen rund 600 Mitgliedsfirmen der Fachverbände und viele dort nicht organisierte Unternehmen – wie die ganze deutsche Wirtschaft sind auch diese Industriezweige mittelständisch strukturiert. Die starke Wettbewerbsposition dieser Branchen (und der deutschen Wirtschaft insgesamt) beruht letztlich darauf, dass die Unternehmen im Inland Kostennachteile gegenüber Niedriglohnländern eher durch steigende Produktionseffizienz ausgleichen als durch Produktionsverlagerung. Innovation und Investitionen zur Aufrüstung der Fertigung halten die Produzenten international konkurrenzfähig – die Fabrikausstatter aus Maschinenbau und Elektroindustrie bestimmen die industrielle Automation weltweit mit. Die Perspektive: Seit die Kostenvorteile der früheren Niedriglohnländer abnehmen, wird auch dort in bessere Produktionstechnik investiert. Und die Industrieländer reagieren auf das abnehmende Lohnkostengefälle, indem sie Investitionen in zeitgemäße Anlagen nachholen. Dazu kommt an fast allen Industriestandorten die Nachfrage aus „Industrie 4.0“, der aktuellen Entwicklungsphase der Automation, die längerfristig die gesamte Wertschöpfungskette in der Fertigung verändern wird.

Messtechnik schafft Datenbasis

Aus fundamentaler Sicht hat die GHM Group in diesem Umfeld hervorragende Aussichten, denn industrielle Automation braucht als Grundlage vor allem genaue Daten. Laut Branchenverband AMA hat sich das Geschäftsvolumen bei Sensorik und Messtechnik seit 2010 nahezu verdoppelt, in den ersten drei Quartalen 2017 stiegen Umsatz und Auftragseingang deutlich weiter an. In diesem Marktsegment liegt die Stärke der GHM Gruppe. Mit Akquisitionen ein überzeugendes Produktportfolio aufzubauen, ist das eine. Johannes Overhues, seit März 2016 CEO von GHM, sieht zusätzlich strukturelle Vorteile für die Unternehmensgruppe: „Die Kompetenzzentren müssen auf ihren Spezialgebieten eigenständig agieren, aber im Hintergrund kann man vieles vereinfachen – das reicht von der Verwaltung über die Produktentwicklung bis zum Vertrieb.“

Zusatzeffekt: organisches Wachstum

Klare Strukturen eröffnen neue Wachstumschancen. Seit Overhues bei GHM eine Gruppenidentität als Plattform für eine koordinierte Vertriebsstrategie etabliert hat, wurde die nationale Marktbearbeitung neu organisiert und das zentrale Vertriebsteam aufgestockt. Parallel dazu baute GHM die internationale Reichweite aus und richtete im Ausland neue Vertriebsstützpunkte ein – zuletzt in Frankreich, Südafrika, Indien und Brasilien. Damit sind – zusätzlich zu Akquisitionen – die Weichen für organisches Wachstum gestellt.