Wie Familienunternehmen mit einer Familienstrategie langfristig überleben

von Dr. Tom A. Rüsen, Wittener Institut für Familienunternehmen

Dr. Tom A. Rüsen
Dr. Tom A. Rüsen

Das Wittener Institut für Familienunternehmen hat die Faktoren untersucht, die zum Erfolg oder zum Untergang familiengeführter Unternehmen im Lauf von Generationen führen. Das Ergebnis ist eindeutig: Der größte Wertvernichter in Familienunternehmen sind nicht betriebswirtschaftliche Herausforderungen. Es ist der Streit in der Familie.

Wesentlicher Motor der Konflikte sind Probleme im Kontext der Nachfolge: 90 Prozent aller Firmeninhaber wünschen sich eine familieninterne Nachfolge, aber 49 Prozent der Unternehmen haben keinen Nachfolgeplan. In Familienunternehmen sind jedoch permanent Entscheidungen im Hinblick auf die Nachfolge zu fällen.

Familienstrategie als Management-System

Soll ein Familienunternehmen mehrere Generationen überleben, ist ein interner Orientierungs- und Handlungsrahmen nötig. Im Idealfall ist das ein individuelles System und Regelwerk, das den „Familienwillen“ formuliert und als „Familienstrategie“ dokumentiert. Das Wittener Institut hat einen Orientierungsrahmen für eine solche Familienverfassung erarbeitet. Das Ziel ist ein Management-System, das Gesellschafterfamilien helfen kann, interne Konflikte vor allem bei der Nachfolge zu lösen oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen – und zwar über mehrere Generationen hinweg.

Ein solches Familienmanagement sorgt zum einen dafür, dass die Familie stets handlungsfähig bleibt und auch kritische Themen  miteinander bespricht. Zweitens motiviert es die Unternehmerfamilie dazu, einen gemeinsamen Bezug und Werteverständnis zum Unternehmen im Familienbesitz zu entwickeln. Und schließlich schafft das Familienmanagement Strukturen, die Ungleichgewichten innerhalb der Familie entgegenwirken.

Überlebensfragen klären

Das Wittener Prozessmodell zur Entwicklung einer Familienstrategie gliedert sich in zwölf Themenkomplexe, die inhaltlich aufeinander aufbauen. Es behandelt alle wichtigen Fragen zur operativen Führung und Nachfolge im Unternehmen, zur Verteilung und Organisation des Gesellschafterkreises sowie zum Management der Unternehmerfamilie und ihrem Zusammenhalt. 

Ein externer Moderator sollte die Familie bei diesem Prozess begleiten. Diesen Berater muss die Familie mit Bedacht auswählen. Er muss neben der Kompetenz in Überlebensfragen von Familienunternehmen auch die nötige Integrität und ausreichend Einfühlungsvermögen in familiendynamische Prozesse mitbringen. 

Die Schritte des Wittener Modells

Die Gesellschafterfamilie bestimmt zunächst die wesentlichen Eckdaten, die ihr grundsätzliches Verhältnis zum Unternehmen beschreiben. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, ob die Familie stets in der Unternehmensleitung vertreten sein muss oder unter welchen Bedingungen die Familie den Status des Familienunternehmens nicht mehr aufrecht erhalten will. Es ist zu klären, wer genau zur Unternehmerfamilie gehört oder künftig gehören soll. Die Werte, die eine Familie in Bezug auf sich selbst und zum Unternehmen vertritt, sind zu bestimmen. 

Aufbau von Gesellschafterkompetenz

Eine wichtige Frage ist, ob und unter welchen Bedingungen die Mitglieder der Gesellschafterfamilie künftig operativ tätig sein sollen. Dazu gehört auch die Abstimmung darüber, auf welcher Ebene Familienmitglieder in das Unternehmen einsteigen und ob die Familie den Einstieg und Aufstieg einzelner Mitglieder von Kompetenznachweisen abhängig machen will. Die Familie muss  ein Qualifizierungsprogramm für Nachfolger konzipieren und umsetzen. 

Stresstest typischer kritischer Ereignisse

Entscheidend ist, wie die Familie strittige Fragen intern behandeln will. Die Vorgehensweisen zur Konfliktlösung sollten klar formuliert sein. Ein Stresstest typischer kritischer Ereignisse im Lebenszyklus einer Unternehmerfamilie kann zusätzlichen Regelungs- und Vorsorgebedarf aufdecken. Die Familie sollte auch Regeln zur Kommunikation und Information intern und gegenüber Dritten festlegen und gegebenenfalls Gremien wie einen Beirat oder Familienrat einrichten.

Diskussionen sind notwendig

Entscheidend ist, dass sich die Familie tatsächlich intensiv mit allen relevanten Themen und Fragen auseinandersetzt. Nur so lässt sich erreichen, dass mögliche Krisen und Streitursachen schon intern vorab angesprochen werden und die Familie die Kompetenz zum Selbstmanagement erwirbt. Das wird nicht gelingen, wenn sich die Familie mit einer oberflächlichen Auflistung allgemeiner Werte oder einer schnell formulierten „Blümchen-Verfassung“ zufrieden gibt. Ein Familienmanagement muss ein wirksames Instrument sein, das sich auch dann bewährt, wenn es hart auf hart kommt.

Dr. Tom A. Rüsen ist Geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU).

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