Private Equity - auch für den Mittelstand eine Finanzierungsalternative

Michael Häger, Senior Partner bei Warth & Klein Grant Thornton

Michael Häger
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Mittelständler und Familienunternehmer scheuen traditionell fremden Einfluss auf ihr Unternehmen. Insofern stehen sie Private-Equity Investoren abwartend gegenüber, öffnen sich aber in den vergangenen Jahren zunehmend der Aufnahme von Fremdkapital über den Kapitalmarkt (so genannte Mittelstandsanleihen). Diese Sichtweise ist jedoch nur bedingt berechtigt. Private Equity bietet gegenüber der Anleihe Vorteile, die im Mittelstand oft unterschätzt werden.

Nach dem Boomjahr 2010 war es um die Mittelstandsanleihe zunächst wieder etwas ruhiger geworden. Doch seit dem vergangenen Herbst haben sich wiederum einige Mittelständler auf das Börsenparkett gewagt und eine Anleihe begeben. In diesem Jahr ist der Eisbrecher der Modehersteller Wöhrl, der im Februar an der Börse Frankfurt eine Anleihe platziert hat. Experten rechnen für 2013 mit einer Reihe von weiteren Anleiheemissionen an den Mittelstandssegmenten der deutschen Börsen.

Der Vorteil der Anleihe: Der Emittent bleibt Herr im Haus und erhält für einen festen Zeitraum frisches Kapital und damit Planungssicherheit bei unveränderten Konditionen. Klingt gut, verstellt jedoch leicht den Blick auf gewichtige Nachteile: Zum Einen sind die Anleihen verglichen mit der klassischen Bankfinanzierung relativ teuer, auch wenn regelmäßig keine Sicherheiten gestellt werden müssen. Zum Anderen sieht sich der Emittent einer weitgehend anonymen Gruppe von Gläubigern gegenüber, die am Ende der Laufzeit in einem Betrag Rückzahlung erwartet. Das setzt vor allem eine langfristig stabile Liquiditätslage des Unternehmens voraus. Schließlich betritt das Unternehmen den Kapitalmarkt und muss ein Mindestmaß an Transparenz erfüllen, ein Umstand mit dem sich gerade Mitteständler regelmäßig schwer tun.

Diese Bestandsaufnahme sollte für Mittelständler Grund genug sein, sich näher mit dem Thema Private Equity zu beschäftigen. Dabei zahlt der Kapitalgeber sein Geld direkt in das Unternehmen ein. Dafür erhält er Anteile an dieser Firma, eine öffentliche Emission am Kapitalmarkt erfolgt nicht. Mit der Bereitstellung von Beteiligungskapital werden meist mittel- bis langfristige Ziele verfolgt. Der Investor partizipiert am Wertzuwachs des Unternehmens, daher verzichtet er auf laufende Zinszahlungen. Vielmehr wird der Gewinn durch die Veräußerung der Beteiligung erzielt.

Im Gegenzug müssen die Eigentümer dem Kapitalgeber Mitspracherechte einräumen - verständlich, denn die Rendite der Beteiligung ist unsicher und hängt vom Unternehmenserfolg ab. Hat sich das Unternehmen mit dieser auf den ersten Blick bitteren Pille erst einmal angefreundet, liegen die Vorteile auf der Hand:

So trägt Private Equity zur Erhöhung der Eigenkapitalquote bei, da keine Zins- und Tilgungslasten anfallen. Das eröffnet Spielräume für neue Kreditlinien und Investitionen. Private Equity ist aber mehr als nur Kapital: Der Kapitalgeber kann aus seinen bisherigen Erfahrungen wertvolles Know-How und seine Kontakte in die Führung des Unternehmens einbringen. Außerdem müssen Geschäftsführer und Vorstände keine Rücksicht auf die kurzfristigen Anforderungen des Aktienmarktes nehmen und können sich Zeit lassen für die Umsetzung von grundlegenden Veränderungen, etwa in Bezug auf Wachstum und Strategie. Einsatzgebiete für eine Privat-Equity-Finanzierung sind insbesondere Wachstumsfinanzierungen, Expansionen ins Ausland, Sanierungen, Umstrukturierungen und Nachfolgen.

Gesetzliche Rahmenbedingungen für Private-Equity-Beteiligungen gibt es nicht, was eine verlässliche Einschätzung der jeweiligen Chancen und Risiken schwierig macht. Deshalb ist vor jeder Transaktion eine genaue Prüfung Pflicht. Wer eine Private Equity-Beteiligung ins Auge fasst, sollte in enger Abstimmung mit einem Berater ein schlüssiges Konzept entwickeln und das Augenmerk insbesondere auf folgende Aspekte richten:

  • Der Kapitalgeber sollte über Erfahrung und Referenzen im Geschäftsumfeld des Unternehmens verfügen.
  • Im Laufe der Verhandlungen sollte sich gegenseitiges Vertrauen herauskristallisieren. Wenn die gemeinsame Linie und die zwischenmenschliche Ebene nicht stimmen, bestimmen Missverständnis und Fehlentscheidungen die Kooperation.
  • Und schließlich sollte geklärt werden, wie der Ausstieg (Exit) aussieht und wann er erfolgen wird.

Unter diesen Voraussetzungen kann Private Equity auch für Mittelständler in finanzieller und strategischer Hinsicht ein Erfolg werden.

Autor: Michael Häger, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, Senior Partner bei Warth & Klein Grant Thornton

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