Mittelstand plant Personal- und Investitionsoffensive

Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ BANK AG

Stefan Bielmeier
Stefan Bielmeier

Der deutsche Mittelstand hat seine Personalplanungen kräftig nach oben angepasst. Seit Bestehen unserer Umfrage beabsichtigten noch nie so viele mittelständische Unternehmen in Deutschland Neueinstellungen vorzunehmen. Der geplante Personalaufbau ist dabei nahezu unabhängig von der Unternehmensgröße oder der Branchenzugehörigkeit. Lediglich bei den kleinen Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten halten sich die Planungen für Neueinstellungen und Personalabbau die Waage. Insgesamt geht aber immerhin mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen für die nächsten sechs Monate von einer Ausweitung ihrer Mitarbeiterzahl aus.

Die offensiven Beschäftigungspläne der mittelständischen Unternehmen dürften vor allem mit der sehr positiven Einschätzung der aktuellen Geschäftslage zusammenhängen. Im Vergleich zum guten Ergebnis vom Frühjahr bewerten die mittelständischen Unternehmen ihre derzeitige wirtschaftliche Situation nochmals besser. Dies geht aus unserer aktuellen Mittelstandsumfrage vom Herbst 2013 hervor.

Die gute Stimmung und das günstige Finanzierungsumfeld schlagen sich bei den Mittelständlern auch in höheren Investitionsplanungen nieder. Fast 79 Prozent der befragten Unternehmen wollen in den nächsten sechs Monaten in ihr Unternehmen investieren. Dies ist der höchste Wert seit dem Frühjahr des Jahres 2000. Gleichzeitig ist dies das zweitbeste Ergebnis überhaupt seit dem Start unserer Mittelstandsumfrage im Jahr 1995.

Ganz unbeeindruckt zeigt sich der deutsche Mittelstand jedoch nicht von den Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise. Das Auslandsengagement der kleinen und mittleren Unternehmen etwa über den Außenhandel, Produktion im Ausland oder über Joint Ventures und Kooperationen geht im Vergleich zum Frühjahr leicht zurück. Insbesondere die kleinen Unternehmen fahren ihre Auslandskontakte zurück, während Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten sie sogar leicht ausweiten. Da sich die Aussichten für die Weltwirtschaft derzeit wieder aufhellen, dürfte eine erneute, vorsichtige Ausweitung des Auslandsengagements erfolgversprechend für die mittelständischen Unternehmen in Deutschland sein. Dabei sollten sie jedoch ihren Heimatmarkt nicht vernachlässigen.

Ausgehend vom recht hohen Niveau aus dem Frühjahr zeigen sich die Geschäftserwartungen der Mittelständler im Herbst etwas gedämpfter. Eine große Mehrheit der Befragten geht zwar immer noch von einer Verbesserung der Geschäftslage ihres Unternehmens in den nächsten sechs Monaten aus. Die etwas größere Skepsis bei den überwiegend inlandsorientierten kleinen und mittleren Unternehmen dürfte mit den unsicheren politischen Mehrheitsverhältnissen nach der Bundestagswahl zusammengehangen haben. Unsere Umfrage wurde im Zeitraum vom 11. September bis zum 18. Oktober 2013 durchgeführt, wobei mehr als zwei Drittel der Antworten nach dem Wahltag eingingen.

Bei der Frage nach den aktuellen Problemfeldern im Mittelstand spielen zurzeit erfreulicherweise die Auftragslage und insbesondere die Finanzierungsbedingungen keine große Rolle. Zu einem immer wichtigeren Thema wird jedoch – gerade vor dem Hintergrund der geplanten Neueinstellungen – der Fachkräftemangel, der kleinen und großen Unternehmen gleichermaßen Sorgen bereitet. Zu schaffen machen den Mittelständlern außerdem die steigenden Energiekosten und die bürokratische Hemmnisse, die überdurchschnittlich häufig von den kleinen Unternehmen als Problem genannt werden.

Nicht zuletzt daraus resultieren für die Unternehmen Kostensteigerungen, die zumindest teilweise auch zu steigenden Preisen führen dürften. Rund ein Viertel der Unternehmen im deutschen Mittelstand rechnet im nächsten halben Jahr mit steigenden Absatz- und Verkaufspreisen. Nur acht Prozent gehen von sinkenden Preisen aus. Die Preise sollten also etwas dynamischer als im Frühjahr steigen.

Denn immerhin mehr als 41 Prozent der befragten Unternehmen gehen von steigenden Kosten in den nächsten sechs Monaten aus. Kostensenkungen erwarten nur knapp sechs Prozent. Zurückblickend sah sich fast die Hälfte der mittelständischen Unternehmen im letzten halben Jahr mit Kostensteigerungen konfrontiert.

Ein erfreuliches Ergebnis ist die weiter gestiegene Eigenkapitalausstattung der kleinen und mittleren Unternehmen. Im Jahr 2012 hat die durchschnittliche Eigenkapitalquote mit 23,5 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Dieser Wert ist immerhin drei Mal so hoch wie das Ergebnis von 2001. Die gute Entwicklung der letzten Jahre sollte für den Mittelstand Anreiz genug sein, sein Augenmerk weiter auf eine gute Eigenkapitalausstattung zu richten.

Zusammenfassend vermittelt unsere aktuelle Umfrage ein positives Bild für die mittelständische Wirtschaft. Die Unternehmen sind mit ihrer Geschäftsentwicklung sehr zufrieden und erwarten mit großer Mehrheit einen erfolgreichen Start ins Jahr 2014, das steigende Beschäftigtenzahlen und höhere Investitionen bringen dürfte.

Autor: Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ BANK AG.

Zurück zur Übersicht

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Hinweis: Im Falle der Löschung aller Cookies in Ihrem Browser wird auch das Cookie gelöscht, dass die Auswertung der Sitzungsdaten verhindert. Es muss in diesem Falle über unsere Datenschutzseite neu aktiviert werden. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK