Einstieg eines Finanzinvestors – was ändert sich für das Management?

Joerg Sost, Vorsitzender des Beirats der VR Equitypartner GmbH

Jörg Sost
Jörg Sost

Mit dem Einstieg eines Finanzinvestors beginnt für das Management des betroffenen Unternehmens ein Veränderungsprozess. Dieser birgt viele Chancen – wenn die Führungskräfte bereit sind, ihn aktiv zu unterstützen. Investor und Management haben im Grunde das gleiche Ziel: Die Wertentwicklung des Unternehmens erfolgreich voranzutreiben und am Ende von einem guten Ergebnis zu profitieren. Gerade hier ist das (meist gut aufeinander abgestimmte und jahrelang eingespielte) Management mit seiner tiefen Kenntnis des Unternehmens gefragt. Eine große Chance für engagierte Führungskräfte, sich stärker einzubringen und sich gegebenenfalls finanziell zu engagieren sowie strategische Prozesse enger zu begleiten. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Investor und Management kann somit eine klassische Win-Win-Situation bedeuten.Für die Arbeit des Managements besonders relevant: die für die Unternehmensentwicklung wichtigsten Kennzahlen rücken mit dem Einstieg eines Investors noch stärker in den Fokus. Entsprechend wird das Reporting in seiner Bedeutung als Steuerungselement professionalisiert und die Intervalle verkürzt, manchmal wird sogar das Rechnungswesen auf neue Software umgestellt. Das Ziel: Aussagekräftigere Analysen und zeitnahe Updates zu Cashflows und anderen relevanten Führungsgrößen, konkretere Tendenzen bei Umsätzen, Gewinnen und Margen sowie sicherere Prognosen. Für das Management ergeben sich hier schnell wertvolle Erkenntnisse und eindeutige Prioritäten. Die engmaschigere Steuerung des Unternehmens trägt dazu bei, dass ggf. unliebsame Entwicklungen früher erkannt und ihnen somit rechtzeitig gegengesteuert werden kann. Ein großer Vorteil – nicht nur für den Investor, sondern insbesondere auch für die Geschäftsführung. 

Mit dem Einstieg einer guten Beteiligungsgesellschaft steigt das Innovationstempo, operative Verbesserungen werden deutlich schneller umgesetzt und Organisationen verschlankt. Wenn es gelingt, möglichst zeitnah Innovationen zur Serienreife zu entwickeln und neue Produkte erfolgreich in den Markt einzuführen, profitieren Management und Investor. Daher legt jeder Finanzinvestor sehr großes Augenmerk auf eine konsequente und zeitnahe Umsetzung der Improvement-Faktoren.

Sofern noch nicht vorhanden, wird der Finanzinvestor gerne einen Beirat installieren. Dieses Expertengremium unterstützt künftig das Management bei wichtigen Themen, dient ihm als Sparringspartner und Ratgeber. Sollte es zuvor bereits einen Beirat im Unternehmen gegeben haben, wird dessen Leistungsfähigkeit nun auf den Prüfstand gestellt und der Beirat möglicherweise neu zusammengesetzt. Hier sitzen fortan externe Fachleute und Experten, meist aus dem Netzwerk des Investors, die sich aktiv für die Unternehmensentwicklung engagieren und mit dem Geschäft aus eigener Erfahrung vertraut sind. Die Beiräte fordern, aber sie fördern auch, öffnen Türen und vermitteln neue Kontakte.

Effizienzsteigerung und qualifiziertes Controlling gepaart mit der Aufsicht durch einen tatkräftigen Beirat – für manchen Manager im Unternehmen kann die Umstellung anfangs schwierig sein. Vor allem dann, wenn der Einstieg des Finanzinvestors durch den Alteigner im Vorfeld nicht transparent genug kommuniziert wurde. Jeder Unternehmer sollte daher vor der Zusammenarbeit mit einem Investor nicht nur Finanzen, Marktstellung und Wachstumspotenziale von diesem im Due-Diligence-Prozess analysieren lassen, sondern unbedingt auch offen mit seinen Führungskräften im Unternehmen über die Pläne sprechen.

An das Management werden hohe Anforderungen gestellt – seien es Flexibilität, Aufgeschlossenheit, Begeisterungsfähigkeit und Kreativität einerseits, aber andererseits auch ein hohes Maß an Disziplin. Gleichzeitig bleibt hier ohne Frage die Schaltzentrale, um die weitere Unternehmensentwicklung erfolgreich zu gestalten. Des Weiteren wird in der Regel das Entlohnungssystem überarbeitet: Statt dem bisher vor allem aus fixen Anteilen bestehenden Gehalt zahlen Finanzinvestoren meistens eine erfolgsabhängige Vergütung. Bei erfolgreich umgesetzten Veränderungen zahlen sich Engagement und Begeisterung für das Management also positiv aus. 

Letztlich wird mit dem Einstieg des Finanzinvestors ein Prozess angestoßen, von dem das Management profitieren kann, wenn es bereit ist, die neuen Herausforderungen und Aufgaben aktiv zu unterstützen. Ein nachhaltig und solide wachsendes Unternehmen mit einem erfahrenen und eingespielten Führungsteam ist der beste Garant, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und sich noch erfolgreicher am Markt zu behaupten. Das weiß auch der Finanzinvestor.

Autor: Jörg Sost, Geschäftsführender Gesellschafter der J.S. Consulting GmbH

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