Die Minderheitsbeteiligung als flexibles Finanzierungsinstrument

von Christian Niederle, Network Corporate Finance

Christian Niederle
Christian Niederle

Es gibt viele gute Gründe für eine Minderheitsbeteiligung. Der Einstieg eines Investors bietet sich an bei operativen Finanzierungsanlässen. Interessant ist er aber auch bei Vorhaben eher strategischer Art. Zu den operativen Finanzierungsanlässen gehören größere Investitionen, eine Internationalisierung von Vertrieb und Produktion oder die Anschlussfinanzierung für Mezzanine-Kapital. Ansätze mit eher strategischem Hintergrund sind vor allem Akquisitionen oder das Herauskaufen einzelner Gesellschafter.

Anforderungen an Unternehmen

Der zeitweise Verkauf von bis zu 49 Prozent des Unternehmens an einen Investor steht üblicherweise im Wettbewerb zur Finanzierung über Mezzanine. Ähnlich wie bei Mezzanine-Kapital eignet sich die Beteiligung für Unternehmen, die finanziell und strategisch in gutem Fahrwasser sind. Da der Investor dann in seiner Mitwirkung und seinen Rechten beschränkt ist, wird er darauf achten, dass das Unternehmen gesund ist. Das bedeutet auch, dass diese Form des Beteiligungskapitals keine Option für Unternehmen ist, die bereits Schwierigkeiten bei der Finanzierung haben.

Die Zusammenarbeit mit einer Beteiligungsgesellschaft ist grundsätzlich für Unternehmen aller Branchen geeignet. Handelsunternehmen benötigen jedoch meist eine sehr gute Story, um einen Investor zu interessieren. Auch Firmen mit ausschließlich regionalem Fokus haben es in der Praxis eher schwer.

Gemeinsame Ziele

Bei seinem Einstieg stellt der Investor Eigenkapital zur Verfügung. Das Unternehmen stärkt so seine Kapitalbasis. Zugleich kann es seine Position gegenüber Fremdkapitalgebern festigen und gegebenenfalls weitere Finanzierungsquellen erschließen. Eine solide Finanzierung ist zudem ein gutes Signal für Kunden und Lieferanten. Sie wirkt sich so mittelbar positiv auf die Wettbewerbsposition aus.

Die Aufnahme eines Minderheitsgesellschafters ist für den Unternehmer ein einschneidender Schritt. Jeder Investor wird darauf bestehen, Mitspracherechte zu erhalten. Sicherheit und Planbarkeit kann der Unternehmer durch klar vereinbarte und zeitlich definierte Ausstiegsszenarien schaffen. Dabei sollte er sich vor allem auch den Rückkauf der Anteile durch den Unternehmer als wichtige Exit-Möglichkeit vertraglich zusichern lassen. Die unternehmerische Langfristperspektive gibt also den wesentlichen Ausschlag für die Dauer, Höhe und Beendigung des Engagements.

Individuelle Gestaltung

Die Minderheitsbeteiligung ist ein sehr flexibles Finanzierungsinstrument. Laufzeiten, Ausstiegsregelungen und weitere Konditionen lassen sich frei vereinbaren. Auch die Regelungen zu Mitspracherechten, zustimmungspflichtigen Geschäften oder den Entsenderechten in einen Beirat, der die Geschäftsführung berät, können Unternehmer und Investor individuell gestalten. Das Unternehmen sollte auch darauf achten, sich einen Investor ins Haus zu holen, der zu ihm passt – von der Branchenkenntnis sowie vom unternehmerischen Ansatz und der Reputation her. Ebenso spielt die Erfahrung des Investors mit dieser Form der Finanzierung eine wichtige Rolle. Zusammen mit der Preisfindung bilden diese Komponenten ein Gesamtpaket. Dieses sollten die Unternehmen optimieren und nicht allein nach der Konditionengestaltung entscheiden.

Kurzfristig umsetzbar

Bei guter Vorbereitung lässt sich der Einstieg eines Minderheitsinvestors innerhalb von rund drei bis sechs Monaten realisieren. Zur Vorbereitung gehört zunächst, dass das Unternehmen seinen Finanzierungsbedarf klar definiert. Bei der Minderheitsbeteiligung steht der langfristige Bedarf für strategische Themen im Vordergrund. Gemeinsam mit einem Berater erstellt dann die Geschäftsleitung eine ausgefeilte Unternehmenspräsentation. Zentral ist hier die plausible Darstellung von Unternehmensplanung und Entwicklungsperspektiven. Auf dieser Basis werden ausgewählte potenzielle Kandidaten angesprochen. Finanzierungsberater begleiten das Unternehmen während des gesamten Vorbereitungs- und Verhandlungsprozesses, und zwar auch, um einen Wettbewerb der Beteiligungskonzepte zu herzustellen

Autor: Christian Niederle ist Managing Partner der Beratungsgesellschaft Network Corporate Finance (NCF). Sie berät in Fragen der Unternehmensfinanzierung und Mergers & Acquisitions.

Zurück zur Übersicht

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Hinweis: Im Falle der Löschung aller Cookies in Ihrem Browser wird auch das Cookie gelöscht, dass die Auswertung der Sitzungsdaten verhindert. Es muss in diesem Falle über unsere Datenschutzseite neu aktiviert werden. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK