Der Beirat: Kaffeekränzchen oder Werttreiber?

Dr. Hilmar Brödler, Geschäftsführer der Brödler GmbH

Dr. Hilmar Brödler
Dr. Hilmar Brödler

Beteiligungsgesellschaften wie VR Equitypartner implementieren bei neuen Engagements gerne einen Beirat, falls es bislang noch keinen gibt. Für den Unternehmer bedeutet dies, Controlling zuzulassen und gleichzeitig intensive Förderung zu erhalten: Das Gremium bringt zusätzliches Know-how ins Unternehmen, unterstützt das Management bei strategischen Themen und kann als Sparringspartner fungieren. Besonders in schwierigen Situationen kann das Management auf Unterstützer zurückgreifen, die das Unternehmen kennen.

Viele Unternehmer reagieren auf diese „aufgezwungene Einmischung von außen“ zunächst skeptisch. Das ist kaum verwunderlich: Immerhin waren sie viele Jahre oder gar Jahrzehnte alleiniger Chef, mussten sich vermutlich nur selten den Fragen anderer stellen. Fragt man Unternehmer aber einige Jahre nach dem Einstieg des Investors nach ihrer Bewertung der damit auch implementierten Beiratsarbeit, dürfte so manches Urteil gar nicht so schlecht ausfallen. 

Grundsätzlich sollte ein effizienter Beirat so zusammengesetzt sein, dass er mit seinen Kenntnissen die gesamte Prozesskette des Unternehmens fachlich kompetent betreuen kann. Er liefert nicht nur wertvolle Anregungen, um Risiken zu reduzieren und Chancen zu erhöhen. Er sollte auch in der Lage sein, die Unternehmensleitung bei entscheidenden Weichenstellungen zu entlasten. Er entwickelt Strategien zur Wertsteigerung und fördert ihre Umsetzung. Dabei stimmt sich der Beirat eng mit der Geschäftsführung und den Gesellschaftern ab und unterstützt aktiv deren gemeinsames Ziel einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung. Wichtig ist, dass beide Seiten kompetente Experten in dieses Gremium entsenden: In der Praxis berufen Unternehmer und Investor meist je ein Beiratsmitglied und stimmen sich dann gemeinsam über das dritte ab.

Deutlich wird der Grad der Unterstützung, den ein guter Beirat bieten kann, am Beispiel der geplanten Expansion eines Unternehmens nach China: Wohl kaum ein mittelständischer Unternehmer verfügt über ausreichend Expertise, um diesen schwierigen Schritt in eine fremde Kultur mit allen ihren regulatorischen und marktspezifischen Besonderheiten allein zu meistern. Es gilt, neue Mitarbeiter und loyale Führungskräfte vor Ort zu finden, Produktionsstätten aufzubauen, potenzielle neue Kunden adäquat anzusprechen, die Finanzierung zu meistern und vielleicht auch wichtige Patente zu schützen.  

Ein kompetenter Beirat, sinnvoll zusammengesetzt aus Finanz-, Branchen- und Marktexperten, kann hier einen wertvollen Beitrag leisten. Er bringt sein eigenes Netzwerk ebenso wie eigene praktische Erfahrungen aus der Industrie ein und knüpft neue, für das Unternehmen wertvolle Kontakte. Der Beirat kann auch interimsweise konkrete Managementaufgaben übernehmen und vor Ort den Aufbau der neuen Standorte begleiten. Auf diese Weise trägt er dazu bei, dass ein solcher, für das Unternehmen sehr fordernder und durchaus riskanter Schritt gelingt.

Der Beirat kann dem Unternehmer aber nicht nur in strategischen und konkreten, fachlichen Themen zu Diensten sein. In der Finanzkrise 2008/2009 fielen diesen Gremien vielerorts sehr schnell ganz andere Aufgaben zu: Finanzierungen umstrukturieren, Sanierungspläne erstellen etc. Dabei übernahmen die Experten nicht selten erfolgreich die Rolle des Moderators zwischen Banken, Eigentümern und Mitgesellschaftern.

Hohe Anforderungen zum Wohl des Unternehmens

Die Vielfalt der Themen zwingt dazu, dass Beiratsmitglieder wie Unternehmer immer wieder kritisch prüfen müssen, ob das Gremium in der aktuellen Lebensphase des Betriebs noch so aufgestellt ist, dass es den erforderlichen Input geben kann. Beirat und Unternehmensleitung sollten daher in regelmäßigen Abständen Aufgaben, Struktur und Zusammenarbeit des Gremiums diskutieren und Verbesserungen beraten.

Ganz wichtig: Der Beirat muss tiefes Verständnis für die Prozesse, Technologien und Produkte des Unternehmens entwickeln. Wer sein Berufsleben in der Automotive-Branche verbracht hat, wird sich schwer tun, als Beirat eines Chemie-Unternehmens über Details der Geschäftsstrategie oder Produkte zu diskutieren und wertvolle Branchenkontakte zu liefern. Wichtig ist auch die Fähigkeit, unternehmerisch zu denken und die Geschäftsentwicklung, die immer risikobehaftet ist, zielgerichtet zu forcieren. Das alles kann ein Gremium, das nur aus Rechtsanwälten, Steuerberatern und Finanzfachleuten besteht, in der Praxis nicht leisten. Investoren mit Erfahrung und Gefühl für den Mittelstand berücksichtigen das bei der Auswahl der Beiratsmitglieder.

Viel Zeit, diplomatisches Geschick und Feingefühl nötig

Unternehmer sollten zudem darauf achten, dass ihre Beiräte Integrität und Vertrauen vermitteln. Die Fähigkeit zur guten, sachlichen und emotionsfreien Kommunikation ist sehr wichtig. Beiräte sind in der Praxis häufig als Moderatoren gefragt. Sie müssen, falls erforderlich, die Interessen der Geschäftsführung und der unterschiedlichen Stake-Holder – Gesellschafter, Investoren, Banken, Mitarbeiter – zum Ausgleich bringen können.

Das erfordert auch, dass alle Beiratsmitglieder ausreichend Zeit in das von ihnen betreute Unternehmen investieren. In der Regel kommen sie zu vier Sitzungen im Jahr zusammen. Mindestens genauso wichtig sind jedoch die informellen Treffen und Telefonate dazwischen. Eine gute thematische Einarbeitung in die Besonderheiten des betreuten Unternehmens ist sehr zeitaufwendig, aber unbedingt notwendig. Nur so kann der Beirat eine vertrauensvolle Beziehung zur Geschäftsführung entwickeln und so zur erfolgreichen Unternehmensentwicklung beitragen.

Autor: Dr. Hilmar Brödler, Geschäftsführer Brödler GmbH

Zurück zur Übersicht

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Hinweis: Im Falle der Löschung aller Cookies in Ihrem Browser wird auch das Cookie gelöscht, dass die Auswertung der Sitzungsdaten verhindert. Es muss in diesem Falle über unsere Datenschutzseite neu aktiviert werden. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK