Die Nachfolge als unternehmerisches Schlüsselereignis richtig bewerten und umsetzen

Prof. Bernd Seel, Institut für Unternehmensgründung und Unternehmensnachfolge (IUG), Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld.

Prof. Bernd Seel
Prof. Bernd Seel

Es ist die Krönung eines Unternehmerlebens, wenn man erfolgreich weitergeben kann, was man geschaffen hat. Und doch redet keiner gerne davon. Die Übergabe erinnert an das Alter, an das Aufhören müssen.

Wahrnehmung und Realität fallen bei allen Beteiligten häufig stark auseinander. Das macht den Nachfolgeprozess sehr komplex. Im Lebenszyklus jedes Unternehmens ist die Nachfolge damit ein Schlüsselereignis. Sie ist nicht immer das Ergebnis eines kontinuierlichen Unternehmensprozesses. Vielmehr wirkt sie häufig eher unstetig und bringt sprunghafte Veränderungen mit sich. Disruptive, ja teilweise apokalyptische Verhaltensfehler können die Unternehmensentwicklung noch lange beeinträchtigen.

Emanzipation

Bei der Nachfolge muss sich das Unternehmen vom Unternehmer lösen. Diese Emanzipation wird sich nach außen und innen unterschiedlich auswirken, etwa durch eine veränderte Corporate Governance, eine neue Rechtsform, eine veränderte Finanzierung, andere Führungsstrukturen und neue Intrapreneure. Auch die Innovationsfähigkeit des Portfolios steht auf dem Prüfstand.

Mit dem Emanzipationsprozess ist die Nachfolge oder „Übernahme“ sehr häufig eine Form der Gründung oder „Übernahmegründung“. Gründung und Nachfolge sind sich damit im Entwicklungsprozess eines Unternehmens sehr ähnlich.

Es ist daher notwendig, vor der Nachfolgeentscheidung eine kritische Bestandsaufnahme zu machen und die wichtigsten Optionen zu prüfen.

Zukunftsfähigkeit

Man kann nur weitergeben, was man hat. Die entscheidenden Fragen zur Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sind deshalb vor dem Nachfolgeprozess zu lösen: Ist das Überleben des Unternehmens gesichert? Wird das Unternehmen auch in den nächsten Jahren Bestand haben? Wie ist der Betrieb strategisch aufgestellt? Was sind die Trends der Branche?

Investitionsbedarf

Viele Unternehmen können im aktuellen Zustand nicht sinnvoll übergeben oder verkauft werden. Der Investitionsbedarf wird unterschätzt. Aufgrund der unterlassenen Investitionen fehlt die Innovationsfähigkeit des Portfolios, das Unternehmen ruscht in eine dauerhafte „Reife- bzw. Wendephase“. Damit wiederum sinkt die Ertragskraft des Unternehmens. Je länger die Übergabephase andauert, desto mehr gefährdet dieser Investitionsstau die Existenz des Unternehmens. Unternehmer sollten sich davor hüten, die Lösung dieser Fragen ihrem Nachfolger zu überlassen. Sie werden dann keinen mehr finden.

Auswahl des Nachfolgers

Die Auswahl des Nachfolgers ist die wichtigste Personalentscheidung, die ein Unternehmer treffen kann. Viele KMU sind auf eine Übergabe in der Familie festgelegt. Das macht nur Sinn, wenn es in der Familie jemanden gibt, der das kann und will. Mitarbeiter und Manager sind oft bessere Nachfolger als uninteressierte Familienmitglieder. Man muss ihnen die Chance geben und sich selbst auch trauen.

Verkauf vorbereiten

Hier ist häufig externe Hilfestellung sinnvoll. Frühzeitig vorbereiten lassen sich etwa Abläufe, um die Vertraulichkeit zu wahren – von einer eigenen Mailadresse über eine unverfängliche Erklärung für Termine und Besichtigungen bis hin zum reibungslosen Zugang zu Informationssystemen für Dritte. Aktuelle und detaillierte Zahlen und Bilanzen sollten vorliegen. Der Kreis der Eingeweihten kann festgelegt werden. Eine realistische Kaufpreisvorstellung ist unumgänglich, ebenso eine intensiv recherchierte Liste der möglichen Kaufinteressenten. Die Kernfragen lauten hier: Wem bringt mein Unternehmen den größten Nutzen, wer braucht uns dringend?

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