Checkliste für ein erfolgreiches Fehlermanagement – nicht nur für mittelständische Unternehmer

Hans-Joachim Kamp, Mitglied im Beirat der VR Equitypartner GmbH

Hans-Joachim Kamp

Vorweg: Fehler kann man immer machen. Aber man sollte sie nicht zweimal machen. Und besonders Geschäftsführer, Führungskräfte und Mitarbeiter sollten Fehlentwicklungen im Unternehmen vor allem als Chance nutzen, um daraus zu lernen

Das Ziel ist eine stetig lernende Organisation, die auf allen Hierarchieebenen konstruktiv mit Planabweichungen oder Fehlentwicklungen umgeht und rechtzeitig die passenden Lösungen findet. Eine wichtige Rolle übernehmen dabei die Führungskräfte. Sie müssen mit Führungs-, aber auch mit sozialer Kompetenz überzeugen. Nur so können sie auch ihre Mitarbeiter auf dem Weg zum Erfolg mitnehmen.

Meine Empfehlungen für ein effektives Fehlermanagement sind:

1. Planabweichungen bemerken

Unternehmen benötigen nicht nur ein Produkt, das wettbewerbsfähig ist, sondern auch eine exzellente Vertriebs- und Marketingstrategie und die richtigen Mitarbeiter auf allen Ebenen. Das Umfeld verändert sich immer schneller, in der heutigen digitalen Gesellschaft gelten andere Mechanismen als bisher gewohnt. Mehr denn je ist es wichtig, die Parameter für das laufende unternehmerische Handeln und für die Unternehmensstrategie immer wieder auf den Prüfstand zu stellen.

Wenn sich erste Abweichungen von Planvorgaben und Key-Performance-Indikatoren abzeichnen, kann es daran liegen, dass sich die Markt- oder Wettbewerbsumstände geändert haben oder dass eine Fehleinschätzung vorliegt. Eine zeitnahe Analyse und entsprechende Maßnahmen der Gegensteuerung sind unabdingbar.

2. Prioritäten setzen

Im Unternehmensalltag ist häufig zu wenig Zeit, um sich um neu auftretende Planabweichungen und Fehlentwicklungen zu kümmern. Auch wenn „Quick Wins“ locken, sollte die Ursachenanalyse bei dem größtem Problem beginnen. Eine adäquate Lösung sichert hier den höchsten Gewinn.

3. Schnell reagieren

Es gibt niemanden, der keine Fehler macht. Auch der Wettbewerb macht Fehler. Entscheidend ist, Fehlentwicklungen im eigenen Unternehmen schneller zu erkennen und zu beheben als die Wettbewerber.

Die laufende Kontrolle der Key-Performance-Indikatoren zeigt, ob und wo es Abweichungen von Plänen, Vorgaben und Einschätzungen gibt. Zu klären ist nun, wo die Ursachen liegen und welche Korrekturen erforderlich sind. Je eher diese Analyse in Angriff genommen wird, desto größer ist die Chance durch adäquate Maßnahmen die originären Ziele zu erreichen.

4. Eigene Fehleinschätzungen eingestehen

Führungskräfte müssen den Mut haben, selbst Fehler einzugestehen. Sie sind es, die Ziele vorgeben, Mitarbeiter anleiten, kontrollieren und sie motivieren. Treten Planabweichungen und Fehlentwicklungen auf, kann dies auch auf Managementfehler zurückzuführen sein. Führungskräfte, die offen dazu stehen und die richtigen korrigierenden Maßnahmen in die Wege leiten, gewinnen an Ansehen und schaffen eine motivierende Organisation.

5. Mitarbeiter mitnehmen

In einer lernenden Organisation gilt: Fehlentwicklungen bieten die Chance, daraus zu lernen. Es kommt nicht darauf an, wer einen Fehler macht. Wichtig ist allein, dass Fehler erkannt und behoben werden.

Entscheidend dabei ist, dass Mitarbeiter sich in allen Hierarchieebenen richtig wahrgenommen und mitgenommen fühlen. Das ist die Aufgabe der Geschäftsführung, die neben einer ausgeprägten Führungs- auch über die notwendige soziale Kompetenz verfügen muss. Nur so ist gewährleistet, dass die Mitarbeiter richtig angeleitet werden, die nötigen Freiräume für ihre Entfaltung haben und einen angemessenen Umgang miteinander pflegen. Dies sind die Grundvoraussetzungen, um ein motivierendes und positives Betriebsklima zu schaffen.

6. Qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und motivieren

Eine gute Geschäftsführung zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie starke Führungskräfte entwickeln, gewinnen und halten kann. Aufgabe der Personalentwicklung ist es, solche qualifizierten Mitarbeiter mit Potential im Unternehmen zu identifizieren, aufzubauen und zu fördern. Ein Entwicklungsprogramm nach der Devise „Wann immer es möglich ist: Aufstieg vor Einstieg“ wird helfen, High Potentials zu motivieren im Unternehmen zu bleiben. Auch sollten Anreize geschaffen werden, die den Mitarbeitern Aussicht gibt, am Erfolg zu partizipieren.

Mein ganz persönliches Fazit: Erfolg ist niemals der Erfolg eines Einzelnen, sondern immer die Leistung eines Teams. Das gilt auch für den richtigen Umgang mit Fehlern.

Autor: Hans-Joachim Kamp, Mitglied im Beirat der VR Equitypartner GmbH

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